Unterbezahlte Privatdozenten und Lehrbeauftragte

Obwohl schon mit einer Menge an Problemen konfrontiert, sind die Studenten an Universitäten nicht die Einzigen, die zu leiden haben. Privatdozenten und Fachkräfte mit außerplanmäßiger Professur führen an Universitäten oft ein Arbeitsleben, das sich polemisch formuliert als Sklavendasein beschreiben lässt. Darüber hinaus hat die „Lobby“ der Studenten bereits eine gewisse Wirkung mit ihren Protesten gegen die Bologna-Reform erzielt; Privatdozenten haben dagegen für gewöhnlich keine Stimme nach außen.

Professor zu werden bedarf in Deutschland der Habilitation und einer Berufung als Professor. Während Ersteres noch in der eigenen Hand liegt, ist Letzteres davon abhängig, wo Professorenstellen frei werden und mit wem sie besetzt werden sollen. Und deren gibt es mehr als zu wenig – trotz eines ursprünglich geplanten Ausbaus der Professuren. Die Folgen machen sich einerseits in vollkommen überfüllten Vorlesungen in manchen Fachbereichen bemerkbar, da keine anderen Professoren zur Verfügung stehen, andererseits in der Tatsache, dass Tausende hoch qualifizierter Wissenschaftler als Privatdozenten ein arbeitsames Dasein ohne oder mit viel zu geringer Entlohnung fristen.

Der Titel des Privatdozenten oder „außerplanmäßigen Professors“ wie man danach heißen kann, ist also nicht mehr als ein Deckmantel für die Ausbeutung qualifizierter Fachkräfte, die oft jahrelang ohne Entlohnung unterrichten müssen. Dabei wird von Universitäten einerseits ausgenutzt, dass die Leidenschaft für ein Fach bei den meisten Dozenten so hoch ist, dass sie trotz der unmenschlichen Bedingungen ihren Dozentenstatus nicht aufgeben wollen, andererseits die Chancen auf eine berufliche Alternative klein sind: Selbst wenn dem Studium sofort die Promotion folgt und die Habilitation kurz darauf geschieht, haben Dozenten oft dreißig bis vierzig Jahre ihres Lebens der Forschung gewidmet, oft womöglich mit hervorragenden Ergebnissen, die ignoriert werden. Oft müssen sich die Dozenten mit – sofern vorhanden – dem Einkommen des Ehepartners arrangieren. Darüber hinaus ist es Dozenten oft gar nicht möglich, alternative Stellen oder befristete, bezahlte Anstellungen anzutreten, da diese nur an Leute mit niedrigerer Qualifikation vergeben werden. Hinzu kommt, dass deutsche Universitäten keinerlei Maßnahmen bieten, die solche Menschen vor Ausbeutung schützen.

Wer geglaubt hat, dass, wenn es schon kein Geld gibt, diese Fachkräfte wenigstens Lorbeeren ernten würden, der hat sich getäuscht. Gegenteiliges ist meist der Fall; Verachtung und Ausgrenzung von Menschen mit ordentlicher Professur gegenüber Wissenschaftlern, die keine Professur erhalten haben, sind vielen Fachgebieten keine Seltenheit. Dabei sollte man meinen, dass spätestens durch die Wiedereinführung der Studiengebühren in einigen Bundesländern das Geld für genügend Professoren vorhanden sein sollte – Studenten an der Universität Göttingen zahlen beispielsweise knapp 700 € im Semester. Dass davon nichts bei den nicht-verbeamteten Professoren landet, wäre unter dem Argument zu verstehen, dass die Studienbeiträge für die Verbesserung der Studienbedingungen von Studenten gedacht sind: Angesichts der desaströsen Zustände an manchen Universitäten und Fakultäten, ohne das finanziell nachgebessert wird, ist dieses Argument jedoch nicht haltbar. Von einer „Verbesserung der Lehre“ kann also so lange keine Rede sein, wie Privatdozenten konstant Ausbeutung und Existenznot ausgesetzt sind, welche zu bekämpfen der einzig produktive Ausweg wäre, um das Lehrangebot an deutschen Universitäten nachhaltig zu verbessern.
Die Zustände sind den Verantwortlichen bewusst, aber egal – Privatdozenten und außerordentliche Professoren haben keine Lobby. Meist wissen Studenten nichts von solchen Geschehnissen, da Scham und Selbstvorwürfe oft das Reden über diese Probleme verhindert.

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